Grenz-Land-Geschichte
Nicht ausgeschildert
103 km

Grenz-Land-Geschichte: 3 Tage – 103 km

Mit dem Zug in die Altmark und mit dem Rad durch das Grenzland rüber ins Wendland

Staatsgrenze, Eiserner Vorhang, Zonengrenze, Grenzübergang, Grenzposten – diese Worte stehen für das Trennende zwischen dem Wendland und der Altmark.

Das Unwirkliche der Grenze ist Vergangenheit. Heute gelingen Austausch und Miteinander. Ein Ergebnis ist unsere Tour zum Kennenlernen des Wendlands und der Altmark, denn Reisen verbindet. Sie beginnen Ihre Radreise in Osterburg oder in Salzwedel. Beide Hansestädte sind sehr gut mit der Bahn zu erreichen. Mindestens zwei Übernachtungen sollten Sie für den 103 km langen Routenvorschlag einplanen, um mit der Region in Resonanz zu treten. Alle im Faltblatt genannten Hotels und Pensionen beherbergen Gäste für eine Nacht. Auf Anfrage bereiten sie auch Lunchpakete für den Tag vor.

Sie fahren entlang der Geschichte. Ab dem 10. Jahrhundert bildeten sich die Grenzen der politischen Territorien, dem späteren Preußen und dem Königreich Hannover, heraus. Heute gehört die Altmark zu Sachsen-Anhalt und das Wendland zu Niedersachsen.

Die „Grenzmark“ war eine von sächsischen Herzögen eroberte Region zwischen dem Herzogtum Sachsen und dem Wendland. Markgraf Albrecht der Bär begann im Gebiet der späteren Altmark die große ostelbische Kolonisation. Im 13. Jahrhundert erlangten Städte mehr Selbstständigkeit. Sie legten Stadtrechte nach den Vorbildern des Magdeburger und Lübecker Rechts fest. Altmarkstädte wurden Mitglied in der Hanse, es entstanden die Backsteinbauwerke des Mittelalters und das städtische Leben florierte. Um das Jahr 800 siedelten auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Lüchow-Dannenberg Wenden, ein slawischer Volksstamm, die der Region ihren Namen gaben. Ab dem frühen Mittelalter stand das Wendland unter der Herrschaft des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. In der weitestgehend landwirtschaftlich geprägten Region, nahmen Flachsanbau und Leinenproduktion einen hohen Stellenwert ein, verschwanden aber mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. Es folgte der intensive Anbau von Zuckerrüben sowie Kartoffeln. Heute ist das Wendland das größte Anbaugebiet für ökologische Landwirtschaft in Deutschland.

Bis zur Gründung beider deutscher Staaten blieb Salzwedel das regionale Zentrum. Hier besuchte man höhere Schulen, erledigte Einkäufe und fuhr per Bahn in die Metropolen. Danach bestimmte die immer unüberwindbarer werdende Grenze alle Lebensbereiche. Ab den 1980er Jahren fanden Künstler und Intellektuelle in der ruhigen Randlage des Wendlands ihren Lebensraum. Die jährliche „Kulturelle Landpartie“ zwischen Himmelfahrt und Pfingsten besuchen 10tausende Gäste, so dass Unterkünfte und Parkplätze in dieser Zeit sehr gefragt sind.

Die Vereinigung vielfältiger Lebensräume – das Grüne Band – entwickelte sich durch die Zwangsberuhigung im Grenzgebiet. Naturschätze statt Grenzzäune – eine Binnendüne an der Wirler Spitze bei Arendsee, Salzwiesen und Torfmoore rund um Salzwedel – sind Erkundungen wert. Sie sollten an Führungen teilnehmen, denn nur, was man weiß, sieht man.

Entdecken Sie während Ihrer Radreise die Unterschiede: Im Wendland gibt es knapp 100 Rundlingsdörfer, in der Altmark überwiegen die Straßendörfer mit Vierseithöfen. Die Jeetzel im Wendland und die Jeetze in der Altmark – warum der gleiche Fluss zwei Namen hat ist ungewiss – vielleicht finden Sie die Antwort.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Entdeckungstour durch die Grenz-Land-Geschichte der Altmark und des Wendlands.

Ralf Engelkamp

Wir leben Land

Hansestadt Osterburg

Hansestadt Osterburg/New Color

Nähert man sich Osterburg aus der Ferne, grüßt schon von Weitem der Turm der Nicolaikirche und lädt zu einem Besuch des Städtchens ein. Am Flüsschen Biese gelegen, hat sich die einstige Hanse- und spätere Ackerbürgerstadt ihr ländliches Flair in großen Teilen bis heute bewahren können. Die sanierte Altstadt, eine schöne Natur und hübsche Dörfer laden zum Flanieren und Verweilen ein.

Als einer der Burgwardhauptorte in der Altmark war Osterburg schon im 10. Jh. von Bedeutung. Archäologische Grabungen haben die bis dahin nur vermutete Burganlage nördlich der Nicolaikirche nachgewiesen. Diese „Burg im Osten“ hat der Stadt vermutlich auch ihren Namen gegeben. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt lässt sich im Jahr 1157 nachweisen; in der Zeit von 1436 bis 1483 war Osterburg Mitglied der Hanse.

Osterburgs beliebtestes Ausflugsziel ist der Schloss- und Gartenträumepark im Ortsteil Krumke, mit seiner über 400 Jahre alten Buchsbaumhecke eine der schönsten und eindrucksvollsten Parkanlagen der Altmark. Inmitten einer geschützten Flusslandschaft liegt eines der letzten Flussbäder Deutschlands, das Biesebad. Abwechslungsreiche Freizeitangebote, Campingmöglichkeiten oder Ausflüge mit Kanu und Tretboot machen das Biesebad zu einem Erholungsort für die ganze Familie.

Perle der Altmark

Arendsee

Luftkurort Arendsee GmbH

Harziger Kiefernduft, klares Wasser, frischgeräucherte Maränen und ein ganz besonderes Licht über dem Arendsee , die alte Klosterruine, das Strandbad,  gediegene Hotels und Restaurants und natürlich der Mississippidampfer „Queen Arendsee“ – das ist  Arendsee, Kleinstadt und zertifizierter Luftkurort.

Benediktinerinnen bezogen 1184 das Kloster, dessen Gründung der Ort seine Geschichte verdankt. 1457 verlieh Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg Arendsee das Stadtrecht. Napoleon ordnete die Stadt vorübergehend dem Königreich Westphalen zu, 1813 kam sie wieder zu Preußen. Am Ufer des Sees nahm 1874 eine Kaltwasserheilanstalt ihren Betrieb auf. Römische Kiefernnadelbäder, Dampf-, Sol- und Wannenbäder umfasste das Angebot. Seit 1950 durfte die Stadt den Titel „Luftkurort“ führen. Motorboote fahren seit 1969 nicht mehr. Mittelalterliche Grenzhügel an der Wirler Spitze zeugen vom Jahrhunderte alten Grenzverlauf. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze sind jetzt wieder Seeumwanderungen möglich, denn jahrzehntelang durfte die Zießauer Seite des Sees wegen des „Sperrgebietes“ nicht betreten werden. In der ehemaligen Grenzkaserne in Ziemendorf ist das „Treppenhaus der Menschrechte“ zu besichtigen und im Jugendfilmcamp lernt man, wie aus einer Idee ein Film entsteht. Heute ist Arendsee ein Treffpunkt für Erholungssuchende aus Ost und West.

Stadtinformation Osterburg

Großer Markt 10

39606 Hansestadt Osterburg

Tel.: 03937 89 50 12

stadtinfo@osterburg.de

www.osterburg.de

Tourist-Information Arendsee

Töbelmannstraße 1

39619 Arendsee

Tel.: 039384 271 64

info@luftkurort-arendsee.de

www.luftkurort-arendsee.de

Niedersachsens wilder Osten

Lüchow (Wendland)

Dieter Damschen

Die idyllische Fachwerkstadt Lüchow ist Mittelpunkt des Hannoverschen Wendlandes. Die Stadt wird von malerischen „Rundlingsdörfern“ umkränzt. Sie sind so einzigartig, dass sie als mögliches Weltkulturerbe bei der UNESCO vorgeschlagen wurden.

Lüchow wurde erstmals zu Zeiten von Friedrich I. Barbarossa, im Jahr 1158, urkundlich erwähnt und erhielt im Jahre 1293 die Stadtrechte. Noch heute ist aus dem späten Mittelalter ein Turm der damaligen Stadtbefestigung vorhanden. Er wird seit 1691 als Glockenturm genutzt. Viele Gebäude der mittelalterlichen Stadt wurden bei mehreren Bränden zerstört. Beim verheerendsten von ihnen brannte 1811 fast die gesamte Stadt bis auf die Grundmauern nieder. Der Distriktbaumeister Lietzmann aus Salzwedel, baute die Stadt anschließend innerhalb von zwei Jahren wieder auf.

Seit jeher  verliefen zwischen Lüchow und Salzwedel Verwaltungsgrenzen. Trotzdem war die Hansestadt Salzwedel für das Wendland stets Einkaufszentrum, Verkehrsknotenpunkt und Standort für höhere Schulen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte Lüchow sich zum eigenständigen Wirtschafts- und Schulstandort. Heute ist Lüchow ein lebendiges Städtchen, das viel Natur, Kunst und Geschichte bietet – und das einzige „Rolling Stones Fan Museum“ weltweit.

Die Baumkuchenstadt

Hansestadt Salzwedel

Constanze Neuling

Im alten Spruch über die altmärkischen Städte heißt es: „De Soltwedler hebben dat got“, womit die Wohlhabenheit der Bürger gemeint war. Dem Geschäftssinn der Kaufleute ist es zu danken, dass Salzwedel sich einst als Hansestadt am Schnittpunkt der Handelswege einen Namen machte. Salz war ausschließlich Transportgut, Salzwedeler Wolltuche und Leinen dagegen avancierten zum beliebten Handelsgut. Im 11. und 12. Jahrhundert gewann die strategisch sicher gelegene Burg Salzwedel Bedeutung für das Erschließen der umliegenden Gebiete. Die persönliche Anwesenheit Kaiser Heinrich V. im Jahre 1112 unterstrich die Wertigkeit der Burg als Grenzfeste. Eine mittelalterliche geschlossene Architektur ersten Ranges, ein Geschichtsdokument des Mittelalters ist der Rahmen für städtisches Treiben und kulturelle Vielfalt.

Jahrhunderte später, heraus aus dem Schattendasein eines Grenzwinkels, der bewahren half, was anderer Orts längst dem Abriss  zum Opfer gefallen wäre, blühte Salzwedel nach 1989 auf. Der Baumkuchen hat Salzwedel im 20. Jh. weltweit bekannt gemacht. Über offenem Feuer entsteht er. Schicht für Schicht wird der Teig auf eine drehende Walze aufgetragen und gebacken. Wer Salzwedel besuchte und den Baumkuchen nicht probiert hat, war eben nicht hier.

Gästeinformation Lüchow

Amtshof 2a

29439 Lüchow (Wendland)

Tel.: 05841 974 73 86

info@region-wendland.de

www.region-wendland.de

Tourist-Information Salzwedel

Neuperverstraße 29

29410 Hansestadt Salzwedel

Tel.: 03901 42 24 38

tourist-info@salzwedel.de

www.kultour-saw.de